Ihr Verhalten wurde damals nicht verstanden. Sie wurde einfach als „verrückt“ bezeichnet. Das notwendige Wissen über Demenz fehlte damals nicht nur unserer Familie. Auch von Ärzten wurde ihre Erkrankung nicht erkannt und ihr Verhalten nicht richtig eingeordnet.
Erst später, während meiner Ausbildung zur diplomierten Gesundheits‒ und Krankenpflegerin, wurde mir klar: Meine Urgroßmutter hatte Demenz. Da habe ich verstanden, wie anders ihr Leben hätte verlaufen können, wenn die Menschen in ihrem Umfeld mehr über Demenz gewusst hätten.
Eine weitere wichtige Erfahrung machte ich mit einer Bewohnerin in einem Pflegeheim. Nach einem Sturz war sie bettlägerig, sprach kaum noch und zeigte fast kein Interesse an ihrer Umgebung. Viele glaubten, dass sich daran nichts mehr ändern würde.
Aber wir gaben sie nicht auf. Mit viel Geduld, einfühlsamer Kommunikation, kleinen Aktivierungen und der Unterstützung meiner Kollegen begann sie wieder Interesse zu zeigen. Irgendwann wollte sie selbst wieder aufstehen. Gemeinsam haben wir mit ihr geübt und sie dabei unterstützt.
Später war sie wieder mit ihrem Rollator unterwegs. Sie nahm am gemeinsamen Leben teil, lachte mit den anderen Bewohnern und trank wieder gerne ihren weißen Spritzer. Sie war weiterhin verwirrt – aber sie konnte wieder zufrieden leben und dazugehören.
Das war nur eine von vielen Erfahrungen, bei denen ich gesehen habe, wie viel mit Wissen, Empathie und dem richtigen Umgang möglich sein kann. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie verzweifelt Angehörige und Betreuungskräfte oft sind, weil ihnen das notwendige Demenzwissen fehlt.
Deshalb möchte ich mein praktisches Wissen weitergeben. Mit meinen Vorträgen, Schulungen und Online‒Angeboten kann ich heute viele Menschen erreichen, ihnen Sicherheit geben und zeigen, wie ein besseres Miteinander mit Demenz möglich wird.
Menschen mit Demenz brauchen nicht nur Pflege. Sie brauchen Menschen, die sie verstehen.